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Intakte Waldränder: Warum sie jetzt gefördert werden

Ökologisch intakte Waldränder können Hotspots der Artenvielfalt sein, indem sie Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren Lebensraum bieten. Grafik: Infografik Hamburg / PEFC Deutschland

Der Wald ist für viele seiner Besucherinnen und Besucher das Highlight des Spaziergangs und die meisten Baumarten sind wohlbekannt. Dem Waldrand mit seinen Büschen und Sträuchern wird hingegen oft wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Waldschutzorganisation PEFC Deutschland erklärt, wieso Waldränder zu einem artenreichen Wald dazugehören und von allen, die PEFC-zertifizierten Wald besitzen, gefördert werden.

Stuttgart, 08.07.2021: Ökologisch intakte Waldränder können Hotspots der Artenvielfalt sein, indem sie Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren Lebensraum bieten. Sie bremsen zudem Starkwinde aus und schützen somit den Wald vor Sturmschäden. Das wissen auch die Menschen, denen die Wälder gehören und richten ihr Augenmerk auf diesen Schutzmantel. Denn ohne Pflege und gezielte Neupflanzungen droht dieser verloren zu gehen. 2020 hat PEFC Deutschland daher den Schutz und die Förderung von strukturreichen Waldrändern neu in den aktualisierten Standard für nachhaltige Waldbewirtschaftung aufgenommen.

Wie sollte ein Waldrand aussehen?

Zur warmen Jahreszeit tummeln sich viele Insekten am Rand der Wälder. Mit Bestimmungsbüchern oder Apps lässt sich herausfinden, welche Straucharten Bienen und Co. besonders gerne anfliegen (dieses Wissen ist auch für den heimischen Garten hilfreich). Doch wie sieht eigentlich ein Waldrand aus, in dem sich viele Tier- und Pflanzenarten wohlfühlen? Unterschieden wird zwischen einem Waldsaum, einem Waldmantel sowie einem Waldtrauf. Solche mehrstufigen Waldränder, die vom Boden bis zu den Baumkronen reichen, haben zumeist eine Breite von rund 20 bis 50 Metern. Der Waldsaum schließt den Waldrand nach außen ab und bildet den Übergang zur offenen Kulturlandschaft. Er besteht vorwiegend aus krautigen Pflanzen und Gräsern, die, weil sie schnittempfindlich sind, nicht auf Feldern, Wiesen und Äckern vorkommen können, aber auch im lichtarmen Waldesinneren keinen geeigneten Lebensraum finden. Der anschließende Waldmantel setzt sich überwiegend aus ebenfalls lichtliebenden Bäumen und Sträuchern zusammen. Struktur und Pflanzenarten des Waldmantels ähneln denen von Hecken in der offenen Landschaft. Die Wuchshöhe der Bäume und Sträucher nimmt zum Inneren des Waldes zu. Der Waldtrauf besteht wie das Waldinnere aus hochwüchsigen Bäumen. Entweder sind es die letzten Reihen der Bäume des angrenzenden Kernwaldes oder es handelt sich um lichtbedürftigere Arten, so beispielsweise um die Kiefer.

Barriere gegen Sturm und Wind

In der Zeit des Klimawandels mit seinen extremen Wetterereignissen bringt ein vitaler Waldrand einen entscheidenden Vorteil mit sich, von dem auch Forstleute profitieren: Starkwind wird über einen kulissenartig aufgebauten Waldrand über die Bäume abgeleitet. Trifft der Wind dagegen auf einen sehr dichten und unmittelbar beginnenden Waldrand, der wie eine steile Mauer das Offenland begrenzt, kann nur wenig Wind hindurchströmen. Vielmehr bilden sich in den Baumwipfeln energiereiche Wirbel, die selbst im Innern des Waldes zu erheblichen Sturmschäden führen können. Als sehr wirksam gegenüber Starkwind- und Sturmschäden erweisen sich dagegen stufig aufsteigende „Aufgleitränder“. Durch sie wird der Windstoß zweigeteilt: Während ein Teil der Luftmassen in den Wald einströmt, wird der andere Teil über die Baumwipfel hinweggelenkt.

Waldränder profitieren von nachhaltiger Waldbewirtschaftung

Im überarbeiteten PEFC-Regelwerk für nachhaltige Waldbewirtschaftung, welches aktuell für drei Viertel der deutschen Waldfläche verbindlich ist, heißt es wortwörtlich: „Strukturreiche Waldränder bieten einer Vielzahl von teils seltenen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum. Sie haben zudem eine positive Wirkung auf das Waldinnenklima und können die Gefahr von Windwurf mindern. Der Waldbesitzer fördert struktur- und artenreiche Waldränder.“

Historisch betrachtet blieben nach der Neuordnung land- und forstwirtschaftlicher Flächen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ursprünglich ausgeprägte Waldränder meist nur dort bestehen, wo der Wald auf Moore, Sümpfe, Felsbereiche oder Gewässer trifft. „Nur durch das aktive und kontinuierliche Offenhalten, Zurückdrängen und Anpflanzen bestimmter Arten kann der Mensch diesen wertvollen Lebensraum am Rand des Waldes dauerhaft erhalten“, ist Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC Deutschland, überzeugt. Er fasst die Beweggründe von PEFC für eine aktive Waldrandgestaltung so zusammen: „Waldränder aus unterschiedlichen Baum- und Straucharten spielen eine wichtige Rolle für die biologische Vielfalt und sind in der Lage, den Wald vor Sturmschäden zu schützen oder diese zu mildern.“


Die Grafik "Sträucher: Der wertvolle Saum unserer Wälder" finden Sie unter https://pefc.de/service/hintergrundinformationen-und-grafiken/ zum Download.