Startseite Presse Seite drucken 30 Jahre „Rio-Konferenz“: Globaler Start für mehr Nachhaltigkeit im Wald

30 Jahre „Rio-Konferenz“: Globaler Start für mehr Nachhaltigkeit im Wald

Die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED), die 1992 in Rio stattfand, gilt als Geburtsstunde verschiedener Konventionen und Erklärungen zur Nachhaltigkeit, die auch heute noch bedeutsam sind. Auch für PEFC sind die auf dieser Konferenz verabschiedete Rio-Erklärung und die Beschlüsse der Nachfolge-Konferenzen maßgebliche Wegweiser.

Die Idee nachhaltiger Forst- und Landwirtschaft ist nicht neu. Der Werdegang des Begriffes erstreckt sich von den spirituellen Betrachtungen in Franziskus von Assisis „Sonnengesang“ bis zu praktischen Empfehlungen, wie sie Hans Carl von Carlowitz 1713 erstmalig veröffentlichte. 

Rund 280 Jahre später fand vom 3. bis 14. Juni 1992 die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro statt, an welcher rund 10.000 Delegierte aus 178 Staaten teilnahmen. Die in Rio, teilweise unter hartem Ringen, international verabschiedeten Deklarationen und Konventionen können als ein wichtiger Schritt für eine globale Umwelt- und Entwicklungspartnerschaft betrachtet werden. Die Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung besteht aus 27 Prinzipien, die unter anderem den nachhaltigen Umgang mit Natur und Ressourcen thematisieren. 

Ein Jahr später definierten die Forstminister auf der Konferenz zum Schutz der Wälder in Europa, welche 1993 als Rio-Nachfolgekonferenz in Helsinki tagte, moderne Begriffe nachhaltiger Waldbewirtschaftung. In der Helsinki-Resolution heißt es, dass Wälder auf eine Weise zu nutzen seien, die „deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität sowie deren Fähigkeit, die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen“ zu erfüllen, nicht gefährden.

Aus Kriterien und Indikatoren formt PEFC konkrete Regeln für nachhaltige Waldbewirtschaftung

Das Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung PEFC basiert inhaltlich auf diesen und weiteren Arbeitsergebnissen des Rio-Prozesses (neben Helsinki 1993 auch Lissabon 1998 und Wien 2003). Im August 1998 zunächst von skandinavischen, französischen, österreichischen und deutschen Repräsentanten des Waldbesitzes initiiert, ist das vorrangige Ziel von PEFC die Dokumentation und Verbesserung nachhaltiger Waldbewirtschaftung – unter direkter Einbindung aller am Wald interessierten gesellschaftlichen Gruppen (Naturschutz, Gewerkschaften, öffentlicher und privater Waldbesitz, Forstunternehmer, Holz- und Papierindustrie u.a.). Nach der Gründung des PEFC Council (PEFCC) 1999 in Paris traten ab 2002 auch nicht-europäische Mitglieder bei; heute sind 55 nationale PEFC-Gremien Mitglied im PEFC Council.

Das Kernanliegen von PEFC ist es, durch eine nachhaltige Bewirtschaftung die ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen der Wälder dauerhaft zu bewahren. Um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, spielt dabei Zertifizierung die entscheidende Rolle. Mit der Zertifizierung erkennen Waldbesitzende und holzverarbeitende Betriebe strenge Regeln an; sie sind in den jeweiligen nationalen PEFC-Standards partizipatorisch fixiert und werden turnusmäßig dynamisch angepasst.

Über 330 Mio. Hektar Waldfläche werden bisher auf allen Kontinenten nach PEFC-Standards bewirtschaftet. Da jedoch fast 90 Prozent der Wälder auf diesem Globus noch nicht zertifiziert sind, bleibt auch 30 Jahre nach Rio noch viel Überzeugungs- und Umsetzungsarbeit zu leisten. Und auch auf den zertifizierten Flächen nehmen die Herausforderungen eher zu als ab. Neben dem Umbau labiler Wälder in klimafitte Mischwälder ist der Artenschutz ein akutes Beispiel: Über 10.000 eigens durch eine Plakette gekennzeichnete PEFC-Biotopbäume in deutschen Wäldern verdeutlichen die Ambitionen von PEFC-zertifizierten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, Alt- und Totholz sowie Horst- und Höhlenbäume zu erhalten, um einem Artenschwund entgegen zu wirken.

Schließlich unternimmt PEFC weitere Anstrengungen, das PEFC-Logo noch bekannter zu machen. Es ermöglicht gewerblichen Einkäufern und Endverbrauchern, sich gezielt für unbedenkliches Holz und Papier zu entscheiden und somit wirksam zum Erhalt der Wälder – und damit zu Biodiversität und Klimaschutz – beizutragen.