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Rückblick: PEFC auf dem Trierer Waldforum 2017

Prof. Dr. Andreas W. Bitter, Vorsitzender PEFC Deutschland, spricht auf dem Trierer Waldforum 2017

Am Freitag, den 10. Februar 2017 fand in Trier das 3. Trierer Waldforum unter dem Motto: „ Was ist der Wald - (UNS) - Wert?“ statt. Zum dritten Mal trafen sich Forstleute, Waldbesitzer, Wissenschaftler, Politiker und waldinteressierte Bürgerinnen und Bürger. Man diskutierte über die verschiedenen Werte des Waldes und wie man ihnen zukünftig gerecht werden kann. Unter den Referenten war auch der PEFC-Vorsitzende, Prof. Dr. Andreas W. Bitter, die PEFC-Regionalassistentin Lara Ruppel war zudem mit einem Stand auf dem Forum vertreten.

Godehard Ontrup (Kaufmännischer Geschäftsführer Landesforsten im Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz, Mainz) stellte gleich zu Beginn den Wert des Waldes in Rheinland-Pfalz anhand der Zahlen von Landesforsten Rheinland-Pfalz dar. Er machte deutlich, dass der Wald nicht nur ein rein monetär messbarer Wert und somit Wirtschaftsfaktor ist, der durch den Kapitalwert seines Holzbestandes bestimmt wird. Er ist auch Arbeitgeber und Erholungsraum und bietet Schutz für Pflanzen und Tiere. Nicht all diese Funktionen sind messbar.

Am Beispiel Niederwald veranschaulichte er die Entwicklung der Funktionen eines Waldes. War der Niederwald ursprünglich eine Bewirtschaftungsform um Einkommen zu generieren, entwickelte er sich im Laufe der Zeit zum Brennholzlieferanten. Heute ist diese vom Menschen gemachte Waldbewirtschaftungsform ein Hotspot für Naturschutz und Artenvielfalt. Durch diese Weiterentwicklung der Ansprüche an den Wald wurde die Wertigkeit der Waldfunktionen verschoben. Das zeigte auch Prof. Dr. Ulrich Schraml (Leiter der Abt. Wald und Gesellschaft der FVA Baden-Württemberg, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung) auf.

Der Wald stand in den 50er Jahren als Produktionsstätte des damals wichtigsten Rohstoffs Holz, für Einkommen und Arbeit. Heute wissen wir um seine bedeutenden Funktionen für Klimaschutz, Strahlenschutz, Wasserschutz, Immissionsschutz, Naturschutz und Co2- Speicher. Die Reaktionen und Antworten der Forstwirtschaft auf diese Funktionsvielfalt zeigen sich in den expertengestützten Konzepten zur Nachhaltigkeit, Multifunktionalität, Integration von Naturschutz und die Entwicklung von Zertifizierungssystemen.

Laut Prof. Dr. Ulrich Schraml war das Credo der Forstwirtschaft  vor einigen Jahren noch „ja, wir schaffen das“. In seinem Vortrag stellte er anschaulich dar, welche zusätzlichen Anforderungen mittlerweile auf dem Waldbesitzer lasten. Dem früheren Motto stellt er heute die Frage entgegen: „Haben wir und unser Wald die Belastungsgrenze erreicht?“. Er plädiert dafür: „Waldnutzung, egal in welcher Form, braucht Grenzen, denn meine eigene Freiheit bei der Nutzung des Waldes hört dort auf, wo die Freiheit des Anderen beginnt!“

Forstwirtschaft soll auch weiterhin auf allen drei Säulen der Nachhaltigkeit, der Nutz-, Schutz und Erholungsfunktion erreicht werden. Will der Waldbesitzer den vielfältigen Aufgaben gerecht werden, muss er Totholz im Wald stehen lassen und die Wege über das notwendige Maß hinaus in Stand setzen, um den Erholungswert des Waldes zu erhalten. Dadurch entstehen Kosten. Da Politik und Bevölkerung die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes sehr hoch bewerten, stellt sich hier die Frage: „Was ist uns dieser Wald wert?“.  So haben Landesforsten Rheinland-Pfalz beispielsweise mehrere Millionen in die Umweltvorsorge, Erholung, Umweltbildung oder Leistungen für Dritte investiert. Diese Möglichkeiten hat nicht jeder Waldbesitzer.

Das Publikum setzte sich kritisch mit der Frage auseinander: „Was zahlt man für die vielfältigen Funktionen des Waldes?“. Hier wurden Forderungen über einen Waldpfennig laut, da besonders die Belastung des Kommunalwaldes enorm sei. Auch die Frage: „Wie viel Förster braucht der Wald?“, wurde diskutiert. Da die Aufgaben der Revierförster gewachsen sind, strebt Landesforsten selbst Reviergrößen zwischen 1300-2000 ha an. Auf dieser Fläche soll durch eine effiziente Organisationstruktur allen Ansprüchen gerecht werden.

Natürlich machten die Referenten auch deutlich, dass die Deutsche Forstwirtschaft mit 300 Jahren Nachhaltigkeit schon immer aktiv die Multifunktionalität des Waldes unterstützt hat, sonst würde es den Wald, so wie wir ihn heute erleben und genießen dürfen (vom Motorcross über Vogellehrpfad und Holzlieferant), nicht geben. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf durfte die Parole „Schützen durch Nützen“ in der Diskussion natürlich nicht fehlen. Auch Dr. Jens Jacob (Leiter Landesforsten Rheinland-Pfalz) sprach sich für die Verwendung von Holz, besonders im Bereich Holzbau, aus.

Wichtige Argumente für die weitere Nutzung des Waldes erläuterte Prof. Dr. Andreas W. Bitter (Institut für Forstökonomie und Forsteinrichtung Technische Universität Dresden sowie Vorsitzender von PEFC Deutschland e. V.) in seinem Vortrag: „Waldbewirtschaftung schafft Werte - die ökonomische Bedeutung des Waldes fällt nicht vom Himmel“. Dabei ging er nicht nur auf die finanziellen Aspekte ein, die den Waldbesitzer durch die Multifunktionalität belasten, sondern machte auch die positiven Auswirkungen der vielfältigen Nutzung des Waldes deutlich. So ist davon auszugehen, dass je 100 m3  Holz oder 15 ha Wald ein Beschäftigter finanziert wird (Dieter 2014) und mit 1 Mio. € Holznutzung = 4 Mio. € Steuer/Sozialbeiträge generiert werden. Auch diese Aspekte müssen bei der ständigen politischen Diskussion über Flächenstilllegungen betrachtet werden.

Diskussionsrunde auf dem Trierer WaldforumProminent besetzte Diskussionsrunde auf dem Trierer Waldforum (3.v.r.: Prof. Dr. Andreas W. Bitter)

Neben dem Wert des Waldes in Bezug auf den Klimawandel, den Naturschutz und die Nutzung des Waldes, drehte sich auch ein Großteil der Diskussion um die steigende Zahl der Waldbesucher.

Aktivitäten vom Mountain Biking bis Geocaching-Bike-Rallys werden immer beliebter. Sollen all diese „Forest Ecosystem SERVICES“ (Carnot et al. 2014) zum Nulltarif angeboten werden? Mit dieser Frage wurde sich kritisch auseinandergesetzt. Hier durfte natürlich die Nachfrage nach leistungsorientierter Förderung und dem gesetzlich zugesicherten Vertragsnaturschutz in Rheinland-Pfalz nicht fehlen. Ebenso die Diskussion über Bundesländer, die Windparks im Wald gesetzlich verbieten und damit dem Waldbesitzer ein Geschäftsfeld vorenthalten. Auch der Einfluss der Politik auf den Wert des Waldes und den finanziellen Wert für den Waldbesitzer wurde hinterfragt. Hier machte Staatssekretär Griese den hohen Wert des Waldes am Beispiel des Landes Rheinland-Pfalz deutlich.

Prof. Dr. Ulrich Schraml plädierte dafür, Grenzen der Nutzung und Rollen von „Co-Piloten“ zu definieren. Er zeigte in seinem Vortrag verschiedene Co-Piloten auf, mit denen es möglich wäre, wieder „Wind in die Segel zu setzen“ und die aktuellen Herausforderungen zu meistern. „Co-Piloten“ wären beispielsweise verschiedene Unternehmen durch die Entwicklung von gemeinsamen Geschäftsmodellen oder die Motivation des Bürgers für Ehrenamtliches Engagement im Wald bis zu überregionale Dialoge und mögliche Waldentwicklungspfade.

Besonders interessant war der Vortrag des Luxemburgischen Staatssekretärs Camille Gira. Er stellte dar, wie in Luxemburg mit vergleichbaren Problematiken umgegangen wird und welche Lösungen  gefunden wurden. In der anschließenden Diskussion beantwortete er Fragen zu verschiedenen Problemen der multifunktionalen Forstwirtschaft. Seine Antworten ermöglichten den Zuschauern eine veränderte Sichtweise auf die Dinge.

Die Vortagenden machten deutlich, dass die Liebe zum Wald und zur Wildnis von der urbanen Bevölkerung derzeit so groß ist wie lange nicht. Ein Beweis hierfür ist der Boom von neuen Zeitschriften mit den Titeln: Landlust, Landhaus, LandZauber, Liebes Land etc. Auch in den sozialen Netzwerken liegt das Teilen von Naturerlebnissen derzeit voll im Trend. Per Handy werden positive und negative Erlebnissen im Wald dokumentiert und verbreitet. Im Gegensatz dazu steht die viel zu langsame Informationsverbreitung innerhalb der Waldbesitzer, wie Prof. Dr. Schraml anhand einer Studie belegt.

Die Stadtbevölkerung wächst und die Landbevölkerung geht zurück. Die Kluft zwischen Stadt und Land wird immer größer. Dadurch entfernt sich das ursprüngliche Bild vom Wald auch immer mehr von der urbanen Bevölkerung. Der Wald wird zur verherrlichten Wildnis und das Thema Forstwirtschaft bekommt zunehmend einen negativen Touch. Auch diese Problematik wurde kritisch und provokant diskutiert. Der Wunsch, die Message der Forstwirtschaft an die Bevölkerung heranzutragen ist größer denn je. Es bleibt die Frage, wie das wirksam umgesetzt werden kann? Wie leicht es gelingen kann, eine Message zum Thema Holz dem Stadtmenschen zu vermitteln, zeigt sich lt. Prof. Dr. Schraml am Beispiel des Songs: „Ich und mein Holz, ich und mein Holz, Holzi, Holzi, Holz“ – von der Essener Band 257ers. Das Interesse und das offene Ohr der urbanen Bevölkerung ist vorhanden, doch wir müssen sie auch ansprechen!

In der abschließenden Podiumsdiskussion meldeten sich auch Politiker zu Wort: „Wir betreiben nachhaltige, generationenübergreifende Forstwirtschaft. Wenn man mehr darüber sprechen würde, gäbe es auch mehr Verständnis seitens der Bevölkerung“, erklärte Nico Steinbach, Landtagsabgeordneter der SPD. Auch der Abgeordnete der CDU, Michel Billen, sprach sich neben der Nutzung des Waldes, für dessen Schutz aus und betonte: „Wir müssen konsequent sein. Es werden immer noch Straßen und Windräder dahin gebaut, wo sie nicht hingehören“. Außerdem warnte er davor, die Verantwortung immer an die Politik abzugeben. Auch jeder Einzelne müsse sich für den Wald einsetzen. „Wichtig ist, dass wir eine Allianz für den Wald bilden“, ruft Gundolf Bartmann (Forstamtsleiter Trier und Initiator der Veranstaltung) das Publikum am Ende der Diskussion auf.

Nach dem Credo von Prof. Dr. Bitter „Es gibt viel zu tun, packen wir es an!“ , schloss diese hochkarätige und international besetzte Veranstaltung.

Fotos: (c) Landesforsten Rheinland-Pfalz, FA Trier

Prof. Bitter Lara Ruppel PEFC Deutschland auf dem Trierer Waldforum 2017PEFC-Vorsitzender Prof. Dr. Andreas W. Bitter und PEFC-Regionalassistentin Lara Ruppel am PEFC-Stand auf dem Trierer Waldforum 2017