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PEFC NRW im Gespräch mit Ministerin Heinen-Esser

Am 23.01.2019 sprachen Vertreter der Regionalen PEFC-Arbeitsgruppe Nordrhein-Westfalen e.V. (RAG NRW) mit Umweltministerin Ursula Heinen-Esser über die Bewirtschaftung orkangeschädigter Waldbestände in NRW und die Umsetzung von Totholzkonzepten im Privat- und Körperschaftswald.

Entscheidungshilfen für die Bewirtschaftung orkangeschädigter Waldbestände

Die Waldbesitzer sind durch das Landesforstgesetz zu einer nachhaltigen, fachkundigen und planmäßigen Forstwirtschaft verpflichtet, das heißt, die Bestände sind so zu pflegen, dass die Ertragsfähigkeit des Standortes erhalten bleibt und keine Durchforstungsrückstände entstehen. Vor allem der Orkan Kyrill im Januar 2007, aber auch andere Schadensereignisse, haben hohe materielle und immaterielle Schäden über alle Waldbesitzarten hinweg angerichtet. Im Nachgang dieser Ereignisse hat der Waldbesitz in NRW dankbar das „Handbuch Sturm“, das „Faltblatt Sturmkatastrophe“ und das Handbuch „Empfehlungen für die Wiederbewaldung von Orkanflächen“ im Umgang mit orkangeschädigten Wäldern aufgenommen. Nach 11 Jahren sind die neuen Waldbestände in die Dickungsphase gewachsen. Die Waldeigentümer müssen nun entscheiden, ob und welche Pflege für diese Bestände angemessen ist. Oft handelt es sich um sehr differenzierte Behandlungsmaßnahmen. Die RAG NRW hat gefordert, dass die Waldeigentümer nun praktische Entscheidungshilfen zur Behandlung von Jungbeständen, die nach derartigen Sturmereignissen neu begründet wurden, zu entwickeln, um sie bei den anstehenden, zukunftsweisenden Entscheidungen fachlich zu unterstützen. Der Sturm Friederike und die aktuelle Borkenkäferkalamität zeigen, dass sich die Waldbesitzer auch künftig mit Schadereignissen und deren Folgen beschäftigen müssen.

Heinen-Esser bestätigte diese Einschätzung der RAG NRW, und betonte, dass ihr das Thema der forstlichen Behandlung von Kalamitätsflächen, nach einem Jahr der außerordentlichen Waldschäden in Nordrhein-Westfalen, besonders wichtig sei. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die neuen Instrumente des Landes Nordrhein-Westfalen für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel, welche sie am 07.12.2018 im Rahmen einer Fachveranstaltung des MULNV präsentiert hatte. Hierzu gehört unter anderem das neue Waldbaukonzept NRW, welches auch Empfehlungen zur waldbaulichen Behandlung von Kalamitätsflächen beinhaltet. Dies bezieht sich sowohl auf aktuelle Schadflächen in diesem Jahr als auch auf Waldflächen, die sich nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007 entwickelt haben. Weiterhin führte die Ministerin aus, dass der Landesbetrieb Wald und Holz NRW (LB WH NRW) zukünftig Beratungen und Schulungen zum neuen Waldbaukonzept anbieten werde. Vorerst seien im Rahmen des Forstlichen Aus- und Fortbildungsprogramms 2019 insgesamt 6 Termine an 3 Standorten für jeweils 20 Personen eingeplant. Eine Erweiterung der Ressourcen für das Schulungskonzept sei jedoch bereits vorgesehen. Darüber hinaus werde durch den LB WH NRW, im Rahmen der Task Force „Borkenkäfer“, eine Kurzinformation speziell zur Wiederbewaldung von Kalamitätsflächen mit Bezug zum neuen Waldbaukonzept erarbeitet, welche ebenfalls bei den erwähnten Schulungen zum Waldbaukonzept vermittelt werden soll. Ergänzend wies Ministerin Heinen-Esser auf das neue Internetportal „Waldinfo.NRW“ hin, wo interessierte Waldbesitzer zahlreiche konkrete Informationen rund um die Themen Waldbau, Standort, Klimawandel und Waldschutz finden können. Auch zur Beschaffung grundlegender Standortinformationen, zum Beispiel über ein solches Informationsportal, seien in Zukunft Schulungen für mehrere hundert Teilnehmer vorgesehen. Diese neuen Instrumente wurden in Heft 1/2019 Die Waldbauern in NRW, S. 22-28, vorgestellt.

Aufhebung der Prosperitätsgrenze für die Totholzförderung

Totholz spielt hinsichtlich der Sicherung der Biodiversität eine wichtige Rolle im Bereich des Waldnaturschutzes. Der ökologische Nutzen von Totholz als Lebensraum für Insekten und holzzersetzende Pilze ist hoch. Zur Umsetzung von Totholzkonzepten werden im Privat- und Körperschaftswald Fördermittel bereitgestellt. Allerdings ist in der derzeitig gültigen Förderrichtlinie eine Prosperitätsgrenze für Waldflächen außerhalb von Schutzgebieten bei 300 ha eingezogen. Diese Prosperitätsgrenze ist in einer Finanzhilfe für den kleineren Waldbesitz bei investiven Waldbaumaßnahmen begründet, der diese Investitionen oftmals nicht durch Einnahmen (z.B. Holzverkauf in anderen Beständen) refinanzieren kann. Beim größeren Waldbesitz wird unterstellt, dass diese Investitionen im Rahmen des nachhaltigen Wirtschaftens im Forstbetrieb aufgefangen werden können.

Tot- und Altholzerhaltung ist aber keine investive Maßnahme, sondern bedeutet für jeden Waldbesitz, unabhängig von seiner Größe, einen Nutzungsverzicht. Der besondere ökologische Wert liegt im öffentlichen Interesse, zumal durch Belassung von Alt- und Totholz in den Folgejahren durch besondere Vorsicht und zusätzliche Gefahren bei Holzerntemaßnahmen erheblicher Aufwand entsteht. Aus diesem Grund forderte die RAG NRW, die Prosperitätsgrenze aus der Totholzförderung zu streichen.

Heinen-Esser stimmte zu, dass die Prosperitätsgrenze im Sinne der naturschutzfachlichen Förderziele des Landes Nordrhein-Westfalen entfallen sollte. Sie teilte mit, dass Mitarbeiter des Ministeriums bereits mit der Umsetzung der Aufhebung der Prosperitätsgrenze in den forstlichen Förderrichtlinien beauftragt seien.

Insgesamt fand das Gespräch in einer freundlichen und sehr konstruktiven Atmosphäre statt. Frau Ministerin Heinen-Esser machte deutlich, dass sie die freiwillige Zertifizierung als wichtige Unterstützung bei der Umsetzung und Kommunikation einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung ansieht.